Wie sich eine Stadt neu erfindet

Als am 22. Februar 2011 in Christchurch die Erde bebte, hinterliess die Katastrophe ein schreckliches Bild. Die höchsten Hochhäuser? Zerstört. Die historische Kathedrale? Wie von einer Bombe zerrissen. Eine einzige Sekunde veränderte die Stadt dramatisch. 185 verloren an diesem Tag ihr Leben.

Hautnah miterleben lässt sich dieses einscheidende Kapitel in der turbulenten Geschichte der neuseeländischen Stadt im Museum «Quake City». Eine eindrückliche Dokumentation eines Ereignisses, das sich aber auch am Stadtbild ablesen lässt, denn das Zentrum wurde am schlimmsten getroffen. Über acht Jahre sind vergangen seit dem schweren Erdbeben – es war das zweite in und um Christchurch innerhalb weniger Monate –, und noch immer klaffen vielerorts Lücken. Oder die erwähnte Kathedrale, erbaut ab 1864: Sie steht noch immer so da wie am späten Nachmittag des 22. Februar 2011. Ursprünglich sollte die Ruine sogar abgerissen werden, doch nun soll ab 2020 renoviert werden.

Christchurch ist die erste Station unseres einmonatigen Aufenthalts in Neuseeland, und der Auftakt hätte spannender kaum sein können. Die zweitgrösste Stadt des Landes (die grösste der Südinsel) erfindet sich gerade neu. Allerorten entstehen neue Gebäude, ja: neue Quartiere. Entlang des kleinen Stadtflusses Avon etwa wurde 2018 ein komplettes Ausgehviertel eröffnet. Ganz in der Nähe schmiegt sich des Denkmal für die 185 beim Erdbeben getöteten Menschen an den Avon. Eine Brücke erinnert zudem an die Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Ein fantastischer Spielplatz

Die Stadt erhält vom neuseeländischen Staat viele Mittel, um Christchurch neu zu bauen, auch neu zu planen, doch dies braucht seine Zeit. So entsteht auf dem zentralen Cathedral Square, mit direktem Blick auf die zerstörte Kathedrale, derzeit ein riesiges Messezentrum. Gleich daneben wurde erst kürzlich die neue Stadtbibliothek eröffnet. Auch dies ein Wahnsinnsbau – und der perfekte Ort, um mit den Kindern Zeit zu verbringen: In der Imagination Station im 1. Stock bieten Lego- und Duploklötze, hunderte Kinderbücher, ein Spielturm mit Rutschbahn sowie etliche Playstation-Spiele für die Grösseren stundenlange Unterhaltung.

Sowieso: Die Neuseeländer wissen um das Bedürfnis der Kinder, sich auszutoben. Spielplätze gibt es überall, doch der Margaret Mahy Playground in Christchurchs Zentrum, auch er vor Kurzem erst eröffnet, schlägt alles: Der Spielplatz wartet mit Wasserspielzeug, grossem Sandkasten, zahlreichen Rutschbahnen und Klettergerüsten auf, all dies auf einem grosszügigen Platz, auf dem weicher Kunststoff liegt. Dass der Spielplatz mehrere Millionen gekostet hat, sieht man ihm an. Man erkennt daran aber auch, wie viel den Neuseeländern das Wohl der Kinder Wert ist.

Die historische Kathedrale.
Denkmal für die Oper des Erdbebens.
Wunderbarer Margaret Mahy Playground.

Lio hatte zudem Freude daran, zusammen mit einem von uns Grossen auf den Lime-E-Trotinetts durch die Stadt zu brausen. Erlebenswert ist auch die Hop-On-Hop-Off-Tramfahrt, wenngleich sehr touristisch. Die Schienen führen zu den Sehenswürdigkeiten und an eingestürzten Hochhäusern vorbei, hinaus zum Botanischen Garten und wieder zurück. Das Tram fährt quer durch die Halle der Cathedral Junction und entlang der New Regent Street, die daran erinnert, wie Christchurch vor dem 22. Februar 2011 vielerorts ausgesehen hat: Das Strässchen mit seinen Cafés, Glacé-Läden, Zigarrenbars und all den bunten Fassaden wurde fast 1:1 wiederhergestellt.

Besonders spannend in Christchurch sind die Details. So haben einige Einwohner nach dem Erdbeben die Initiative «Fill The Gap» gegründet, um die entstandenen Lücken wieder mit Leben zu füllen. Ein witziges Beispiel dafür ist die Tanzplattform Dance-O-Mat: Für zwei Dollar (1,35 CHF/1,20 EUR) kann man eine halbe Stunde Musik aus seinem Iphone abspielen und dazu nach Herzenslust tanzen. Oder die umgebaute Parkuhr, bei der man – statt Geld einzuwerfen – drei Fagen beantwortet und danach eine Mission aufgetragen bekommt, um sich in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen.

In meinem Fall lautete mein Auftrag: In einem Fahrradshop der Stadt zu lernen, wie man Velos flickt.

Stadtrundfahrt mit Stil.
Museum «Quake City»: Eine Stadt mit Lego wieder aufbauen.

4 Kommentare

Imani · 26. Juli 2019 um 14:47

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ths. · 10. Mai 2019 um 21:07

Lieber Widi, was für eine faule Ausrede wegen des Radls! Aber was mich interessiert: Was macht das Bier? Lg ths.

Anonymous · 7. Mai 2019 um 14:50

Hast du das Fahrrad flicken können?

    David · 10. Mai 2019 um 10:01

    Leider hatten wir keine Zeit mehr, die Mission zu erfüllen 🙂 Wir mussten am Tag darauf unser Wohnmobil entgegen nehmen.