Die Perle Luang Prabang

Von den Ländern in Südostasien ist Laos das wohl unbekannteste. Genau deswegen hat es uns gereizt, dort länger zu verweilen. Und unser kurzes Fazit: Es lohnt sich. Auch wenn es mit Kindern nicht unkompliziert ist. Die Sprachbarriere ist eine Herausforderung, und auf Fussgänger mit Kinderwagen ist das Land nicht wirklich vorbereitet: Kinder fahren hier auf dem Motorrad mit. Dafür haben Autos überall Vortritt.

Die Herzlichkeit der Laoten, sanftmütig in ihrem Wesen, fällt einem schnell auf. Und es gibt genug zu tun, um die Kleinen zu beschäftigen und auch als Grosse Spass zu haben. Gerade in Luang Prabang.

Die ehemalige Hauptstadt im Norden des Landes war nach der zweitägigen Tour mit dem Slowboat unsere erste Station. Die Stadt ist Weltkulturerbe der Unesco, und dies zurecht: Das Zentrum, auf einer Halbinsel am Mekong gelegen, ist wunderhübsch und wartet mit einigen imposanten Tempeln auf. Als Erbe der französischen Kolonialzeit ist eine gewisse Kaffeekultur vorhanden, so wird in Laos seit einigen Jahren Kaffee angebaut, der inzwischen mehr und mehr auch in Europa zu bekommen ist. Auf der belebten Sakkaline Road im Zentrum gibt es zwei ausgezeichnete Bäckereien mit gutem Kaffee und irrsinnig feinem Brot: Le Banneton und Zurich Bread (ja, Zurich).

Baguettes & Pains au chocolat.
Aufführung im Garavek Theatre.
Eine Weberin der Ock Pop Tok Heritage.

Ein Ausflug in die musikalische Kultur des Landes gibt es im Garavek Theatre. Dort erzählt ein junger Laote in einer knapp einstündigen Vorführung die Geschichte des Landes nach (in gutem englisch), sein älterer Kollege spielt dazu Klänge auf der flötenähnlichen Khen. Kinder müssen allerdings etwas älter als unsere sein, um wirklich daran interessiert zu sein. Dafür gefiel es ihnen umso mehr im lauschigen Café Utopia mit seinem Sandstrand und den bequemen Liegeplätzen. Hier geniesst man frühmorgens seinen Kaffee, später am Tag das Feierabendbier und am Abend den Cocktail.

Beeindruckende Wasserfälle

Die touristischen Höhepunkte finden sich ausserhalb der Stadt. Zum einen die beeindruckenden Kuang Si Wasserfälle knapp eine Fahrstunde von Luang Prabang entfernt – für 300’000 Kip (35 CHF/31 EUR) haben wir im Hotel einen Tuk-Tuk-Fahrer gebucht, der uns dorthin fuhr und vier Stunden auf uns wartete. Im Eintritt von 40’000 Kip pro Person (4,70 CHF/4,10 EUR) sind nicht nur die Wasserfälle inbegriffen, sondern auch ein Bärenpark, in dem eine NGO Schwarzbären aus Gefangenschaft freikaufte, um ihnen hier, mitten im Wald, ein besseres Leben zu bieten.

Die Wasserfälle selbst sind ein echtes Highlight. Nach einem beeindruckenden ersten Fall ergiesst sich das Wasser in eine Reihe von Pools, in denen teilweise geschwommen werden kann. Zu empfehlen ist, früh am Morgen los zu fahren und gleich an die oberste Stelle der Anlage zu wandern, mit den Kindern dauerte das rund 20 Minuten. Die Wasserfälle sind sehr populär, weshalb gegen Mittag (oder gar früher) Horden chinesischer und koreanischer Touristen mit Minibussen herangekarrt werden.

Lio an den Kuang Si Falls.
Badeplausch im spektakulären Natur-Swimmingpool.
Buben und Hasen und Büffel.

Auf dem Rückweg nach Luang Prabang besuchten wir die Laos Buffalo Dairy, auf halbem Weg gelegen. Zwei Australier und eine Amerikanerin haben diese Büffelfarm vor vier Jahren gegründet mit dem Ziel, den Farmern in der Gegend in der Zucht und Nutzung von Büffeln zu unterstützen. Finanziert wurde das Projekt durch ein Crowdfunding über 30’000 Dollar. Auf der Farm hat es auch Kleintiere, und bei der Tour (50’000 Kip p.P./5,90 CHF/5,20 EUR) dürfen die Kinder Enten, Hühner und Schweine füttern. Im Fokus aber stehen die Büffel. Hier werden sie etwa geimpft, im Krankheitsfall gepflegt und die schwangeren Kühe entbunden. Die Bauern müssen dafür nichts bezahlen, im Gegenteil: Sie erhalten eine Kompensation von rund 100 Dollar pro Entbindung. Dafür darf die Farm die Milch der Kuh kommerziell verwerten. Zum Beispiel für das extrem leckere, hausgemachte Glacé, das wir uns nach der Tour im Café auf der Farm gönnten.

Für die Frauen von Laos

Ein vergleichbares, von einer Engländerin gegründetes Projekt ist im Zentrum von Luang Prabang zu finden: die Ock Pop Tok Heritage. Sie widmet sich seit bald zwei Jahrzehnten dem Textilhandwerk der Landbevölkerung im ganzen Land, im Zentrum stehen Weberei und Stickerei. Beschäftigt werden laut eigener Aussage mehr als 500 Frauen im ganzen Land, gegen 100 sind fest angestellt. «Für die Frauen von Laos», lautet das Unternehmensprinzip. Zum Shop gehört ein Café im Schatten mehrerer Bäume, in dem manchmal auch Musiker auftreten.

Luang Prabang hat uns so gut gefallen, dass wir uns entschlossen, nach unserem Besuch im Elephant Conservation Center zurückzukehren und noch ein paar Tage in der Stadt zu bleiben und deren Annehmlichkeiten zu geniessen. Wer mit Kindern nach Luang Prabang reist, dem empfehlen wir das zentral gelegene, aber leicht versteckte Akira Heritage Hotel, das rund 50 CHF pro Nacht kostet und den Kleinen viel Platz bietet, zu spielen (es ist aber natürlich auch für Reisende ohne Kinder interessant, das Frühstück ist hervorragend). Das Hotel ist an der Sakkaline Road gelegen, an der jeden Abend ein gut besuchter Night Market stattfindet.

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