Verliebt in den Süden

Zug, Schiff, Bus oder Auto. Tuktuk, Seilbahn oder Knattertöff – auf unserer Reise waren wir schon in allen erdenklichen Fahrzeugen unterwegs. In Neuseeland wurde es Zeit für unser Haus auf Rädern: Für 21 Tage bezogen wir ein Wohnmobil, mit dem wir von Christchurch fast ganz im Süden bis Auckland fast ganz im Norden fahren.

Es ist ein ordentlicher Brummer: mehr als 7,5 Meter lang und 2,3 Meter breit. Und das alles gesteuert von der rechten Fahrzeugseite. Maureen erklärte relativ schnell relativ grosszügig, dass sie das Fahren mir überlassen werde.

Um mit den Kindern nicht allzu lange Fahrtage zurücklegen zu müssen, entschieden wir uns, gewisse Teile Neuseelands gleich von Anfang an auszulassen. Zum Beispiel den südlichsten Teil mit den zwar imposanten Fjorden. Aber auch den grössten Distanzen. Unser Reisebericht erhebt deshalb keinerlei Ansprüche auf Vollständigkeit (selbst der dickste Reiseführer kann das ja nicht). Aber zahlreiche Höhepunkte haben wir doch erlebt – und einige davon möchten wir euch präsentieren.

Wandern am Mount Cook

Am höchsten Berg Neuseelands kann man wunderbar wandern, aber die halbtägigen Treckings sind eher nichts für die Kinder. Eine einstündige Wanderung aber schon, und so kamen wir zum Kea Point mit wunderbarem Blick auf die Moräne des Mueller-Gletschers und den Gipfel des Mount Cook. Seine 3724 Meter Höhe sind zwar nichts, was uns Schweizer allzu sehr beeindrucken würde. Allerdings liegen wiederum in der Schweiz nicht besonders Gipfel als 30 Kilometer vom Meer entfernt.

Rätselhaftes Wanaka

Die Kleinstadt gilt als kleine Schwester der Adrenalin-Hauptstadt Queenstown und liegt wunderbar am Südufer des gleichnamigen Sees. Um die Stadt herum erheben sich bewaldete Berge, die im Sommer mit dem Mountainbike und ab Mitte Juni mit den Ski befahren werden. Aktivsportler kommen hier voll auf ihre Kosten. Die vielen kleinen Läden und Beizen luden zum Verweilen ein, es hat hier einige gute Mikrobrauereien.

Toll war vor allem auch Puzzling World. In diesem Museum gibt es Hologramme und viele optische Täuschungen zu bestaunen und in einem Raum gegen die fast 20 Grad Neigung zu kämpfen. Wir arbeiteten uns zudem gemeinsam durch das rund fünf Kilometer lange Labyrinth, bei dem es die farbigen Türme in allen vier Ecken zu finden galt.

Wanderung zum Kea Point.
Der Mount Cook im Hintergrund.
Das lustige Puzzling World.

Coole Campgrounds

Auf einer Reise durch Neuseeland lernt man die verschiedensten Zeltplätze kennen. Mal hat es einen Whirlpool, dann wieder keinerlei Annehmlichkeiten. Mal kostet die Nacht aber auch 60 Dollar (40 CHF), und manchmal ist sie kostenlos. Am Lake Hawea, gleich bei Wanaka gelegen, mieteten wir uns im gleichnamigen Motel ein, zu dem auch ein Restaurant mit Bar gehört. Für Camper gibt es eine Spezialkarte, und der Deal ist toll: Eine Mahlzeit kostet nur 12 Dollar (knapp 8 CHF), der Krug lokales Bier 5 Dollar (3,30 CHF). Am Abend fand in der Bar eine Quiz Night statt. Wir entschlossen uns kurzfristig, mitzumachen – waren zu Zweit gegen die Einheimischen aber recht chancenlos. Übernachtet haben wir einfach auf der Wiese neben dem Restaurant.

Ganz anders unser Campground am Rand des Franz Josef Glacier, dem bekanntesten Gletscher des Landes. Das Areal liegt in einem dichten Regenwald, wie es ihn auf der Westseite der südlichen Alpen zu bewundern gibt. Leider war unser Aufenthalt komplett verregnet, weshalb wir auf einen Ausflug zum Gletscher verzichten mussten. Dafür profitierten wir auch hier davon, dass es auf dem Campground eine Pizzeria mit Happy Hour gab.

Einen dritten, geradezu perfekten Standplatz fanden wir in Linkwater. Auf unserem Weg zur Fähre auf die Nordinsel machten wir auf Smith’s Farm Halt, wo die Toiletten nicht nur blitzblank geputzt waren und wir als Willkommensgruss frischgebackene Muffins erhielten, sondern es für die Kinder auch ein grosses Trampolin hatte und zudem Schafe und Ziegen, die gefüttert werden wollten. Nach dem Eindunkeln unternahmen wir eine Glühwürmchentour in den benachbarten Wald.

Unser Haus auf vier Rädern.

Rugby auf dem Land

Rugby ist den Neuseeländern ihr Fussball (oder so). Schon in Christchurch hatten wir uns einen Match angesehen, einen der Profiliga Super Rugby allerdings, die Christchurch Crusaders nahmen es mit einem Team aus Südafrika auf. In der Nähe von Nelson im Norden der Südinsel war nun ein Spiel der vierthöchsten Amateurliga an der Reihe: Und während der Stoke Rugby Club den Gegner aus Moutere demonierte, konnten unsere Kleinen nach Belieben auf dem Sportplatz herumtollen. Lio freundete sich mit einem etwas älteren Mädchen an und war so beseelt von ihm, dass er es gar nicht mehr vom Haken liess.

Die Atmosphäre auf den Greenmeadows Playing Fields glich jener bei Fussballspielen bei uns auf dem Land. Es gab Wurst vom Grill, kühles Bier aus der Clubbeiz und jede Menge Fachsimplerei am Spielfeldrand. Anwesend waren höchstens 300 Zuschauer. Die Spiele der Amateurliga, es gibt in ganz Neuseeland 26 Regionalverbände und in fast jeder grösseren Ortschaft einen Club, beginnen meist jeweils am Samstagnachmittag um 15 Uhr.

Schwingspass über den Fluss

Auf den ersten Blick sieht die Hängebrücke über die Buller-Schlucht in der Nähe des Ortschaft Murchison nicht spektakulär aus. Und ja, es gibt sicher höhere und furchteinflössendere. Aber die 20-minütige Wanderung auf der anderen Flussseite war genau richtig für die Kinder. Und der Retourweg ganz besonders amüsant: Zurück ging es nämlich über eine Zipline. Das Tolle daran: Während es bei solchen Attraktionen üblicherweise Altersbegrenzungen gibt, dürfen hier auch die Kleinsten mitfliegen.

Die goldene Meile

Neuseeländischer Wein mag bei uns weniger bekannt sein, gerade im Norden der Südinsel hat es aber eine Vielzahl Weinberge. Auf der zwischen zwei Hügelzügen eingebetteten Golden Mile nördlich von Blenheim buhlen eine Vielzahl von Kellereien um Touristen (und übrigens auch die leckere Schokoladenfabrik Makana Confections, in der einige Probiererchen angeboten werden).

Wir hielten beim Vines Village, um über den Mittag ein Fleisch- und Käsebrettchen zu essen und etwas lokalen Weisswein zu probieren. Die Anlage ist grossartig: überdachter Spielplatz, kleiner See, Sportplatz mit Rugbybällen und -pfosten, um es selbst einmal zu versuchen, und eine Aussichtsplattform mit Blick über die benachbarten Rebberge. Zudem wird mit einer Schatzsuche für die Kleinen geworben, die Attraktion war aber – genauso wie leider der Süssigkeitenstand – bei unserem Besuch geschlossen.

Lio mit seiner Freundin vor dem Clubbeiz.
Jarin und David bereit für die Zipline.
Vines Village mit grossartigem Spielplatz.

1 Kommentar

Margot · 15. Mai 2019 um 19:34

Grün vor Neid

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